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Hörsturz – wenn das Ohr plötzlich "dicht" macht

Und auf einmal war es weg; mitten in der Nacht – das Gehör. Schauspieler Miroslav Nemec, bekannt als Münchner Tatort-Kommissar Ivo Batic, erlitt einen Hörsturz. Während die Dreharbeiten in vollem Gange waren. Laut der Deutschen Tinnitus-Liga sind pro Jahr über 150.000 Menschen von einem Hörsturz oder Hörinfarkt betroffen.


Symptome und bleibende Schäden

Ganz im Gegensatz zum Tinnitus tritt der "Ohrinfarkt", wie ein Hörsturz auch genannt wird, meist einseitig auf. Die dabei entstehenden Schädigungen können von Hörproblemen bis hin zum Hörverlust reichen. Der genannte Tinnitus, dauerhafte Ohrgeräusche, kann hinzukommen, muss aber nicht.


Die Symptome werden von Betroffenen mit "wie durch Watte" hören und auftretendem Schwindel beschrieben. Insgesamt ein dumpfes und beklemmendes Gefühl. Ursache für einen Hörsturz ist oftmals eine Durchblutungsstörung im Innenohr. Auslöser dafür können Vorerkrankungen sein, wie z. B. Diabetes mellitus, Adipositas oder Bluthochdruck. Aber auch Virusinfektionen wie Windpocken oder eine Thrombose der Innenohrgefäße können die Ursache sein. Mediziner gehen inzwischen aber davon aus, dass der Hörinfarkt hauptsächlich stressbedingt auftritt.


Der Grund: Hohe emotionale Anspannung führt im Körper zur Ausschüttung von Adrenalin. Dieser Ausstoß hat zur Folge, dass sich die kleinen Blutgefäße zusammenziehen und daher nicht mehr optimal versorgt werden. Das überträgt sich auf die Haarzellen des Hörorgans, Schallwellen können so nicht mehr richtig aufgenommen und verarbeitet werden – man hört nicht mehr klar.


Schnelle Hilfe und Therapie

Tritt ein Hörsturz auf, sollte man sich innerhalb von 24 Stunden Hilfe holen – am besten durch einen Hals-Nasen-Ohrenarzt. Denn er kann dafür sorgen, dass die Durchblutung des Innenohrs wieder optimal gewährleistet wird. Zudem wird er der Ursache für den "Ohrinfarkt" auf den Grund gehen.

Eine kurzfristige Therapie sind durchblutungsfördernde Mittel wie Kortison, das Schwellungen verhindert. Langfristig müssen beispielsweise übergewichtige Betroffene eine Gewichtsreduktion anstreben, Diabetiker sollten ihren Blutzucker richtig einstellen lassen und überwachen. Stresspatienten ist zu Entspannungstechniken zu raten und da Nikotin ebenfalls für eine Verengung der Blutgefäße sorgt, ist vom Rauchen abzuraten.


Prognose

Die gute Nachricht: Zwei Drittel aller Hörsturz-Patienten können auf eine vollständige Genesung hoffen. Lediglich bei einem Drittel bleibt eine gewisse Hörminderung zurück. Hörgeräte können diese – je nach Schweregrad – entweder mindern oder gar ausgleichen. Denn diese Systeme sorgen dafür, dass das Gehör weiter trainiert wird und der Betroffene bestimmte Töne nicht "vergisst". Auch hierbei gilt: Je eher der Patient ein Hörgerät einsetzt, umso größer sind die Chancen, einem schweren Hörverlust vorzubeugen. Hörakustiker stimmen dafür die Hörsysteme optimal auf den jeweiligen Bedarf ab.


Miroslav Nemec wurde zwar unmittelbar nach seinem Hörsturz in einem Krankenhaus mit Kortison versorgt, dennoch erlitt er einen dauerhaften Hörschaden. Deshalb trägt er nun Hörgeräte und versteht sich als "Botschafter des Hörens".